Überlebenstraining Five C

Die 5 Wichtigsten Gegenstände: Überlebenstraining Mit System

Um eine Kunst oder ein Handwerk zu erlernen, nutzt man am besten ein System. Ein gutes System fasst die komplizierten aber wichtigen Faktoren zusammen und destilliert sie auf das wesentliche herunter. Das kann eine Faustformel oder ein Merkspruch sein. Auch wenn ein Spruch einfach zu merken und anzuwenden ist, so basiert er doch auf soliden und bewährten Grundlagen. Dieses Hintergrundwissen ist aber oft zu umfangreich um schnell abgerufen zu werden. Deshalb die Faustformel.

Eine wichtige Faustformel für Dein Überlebenstraining

Heute stelle ich Dir so eine Faustformel vor: Die „Five C’s of Survival“ Keine Sorge, ich werde alles für Dich ins Deutsche übersetzen. Es handelt sich also um eine Art Überlebenstraining mit System. Zum ersten Mal habe ich davon bei Dave Canterbury gehört. Canterbury ist ein bekannter Survival-Experte. Vielleicht kennst Du ihn aus der Serie „Dual Survival“ (bei uns unter dem Namen „Survival Duo“ auf DMAX). Aber Du solltest nicht den Fehler machen und ihn auf diese Show reduzieren. Er ist nämlich darüber hinaus einer der aktivsten Bushcrafter und Survivalisten. Außerdem stellt er im Internet seinen enormen Wissens- und Erfahrungsschatz völlig kostenlos allen zur Verfügung und zeigt auch Sinn für Humor. Man muss nur etwas Englisch beherrschen ;-). Inzwischen hat er sogar sein eigenes Buch „Bushcraft 101“ herausgebracht.

Diese fünf C’s fassen die Grundausrüstung zusammen, die man am notwendigsten für das Überlebenstraining mit System benötigt. Sie sind also in der Wildnis nicht zu finden oder nur mit sehr großem Aufwand zu ersetzen. Außerdem sind alle Gegenstände leicht und klein. Man sollte diese Gegenstände immer dabei haben. Wenn man seine Ausrüstung zusammenstellt und einpackt, sollte man auf keines der fünf C’s verzichten.
Hier wird schon ein Vorteil unseres Systems erkennbar: Du kannst schnelle und klare Entscheidungen treffen, bevor Du aufbrichst. Diese Entscheidungen wirst Du auch nicht bereuen, da sich das System schon viele male bewährt hat.

Die fünf C’s bieten aber noch mehr. Für mich sind sie eine Anleitung, welche Techniken ich zuerst beherrschen muss, wenn ich neu mit Bushcraft beginne. Alle Fertigkeiten, die sich auf diese fünf Gegenstände beziehen, sind mit höherer Priorität zu erlernen. Warum? Erstens sind sie ohne Zweifel nützlich und bewährt. Sonst wäre die entsprechende Ausrüstung nicht in der Liste. Und zweitens erhöhen wir gezielt den Nutzen dieser Ausrüstung, wenn wir die Techniken beherrschen, die sich auf sie beziehen. Und weil diese Ausrüstung immer dabei ist, wenden wir auch unser Können immer an.

Nun aber genug gequatscht. Welches sind denn nun die fünf C‘ für ein Überlebenstraining mit System? Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind folgende:

  1. Cutting Device: Schneidwerkzeug, z.B. unser Messer
  2. Combustion Device: Mittel zur Erzeugung einer Flamme
  3. Cordage: Geeignete Seile und Schnüre
  4. Container: Solide und dichte Behälter
  5. Cover: Abdeckung; etwa Kleidung, Decke oder Plane
  1. Cutting Device: Ein Schneidwerkzeug wie z.B. unser Messer

    Es gehört zum Grundwissen, wenn man sich mit Bushcraft oder Überlebenstraining beschäftigt, dass das Messer der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist. Auch wenn manche der Meinung sind, eine Machete oder eine Axt könne die Funktion eines Messers ersetzen und mehr bieten. Beide Alternativen sind ebenfalls Schneidwerkzeuge und zählen genauso zum ersten C. Nur ein völliger Narr würde freiwillig auf ein Messer oder eine der Alternativen, verzichten.

    Es gibt viele verschiedene Messer und manche sind besser für die Wildnis und unser Überlebenstraining geeignet als andere. Ich habe Dir meinen Favoriten Fällkniven F1 hier schon vorgestellt und damit kann man garantiert nichts falsch machen. Daneben gibt es etwa auch sogenannte Multitools, die neben einer Klinge mehrere Werkzeuge beinhalten. Diese reichen von Zangen über Sägen bis hin zu Pinzetten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man hat im Notfall eine größere Auswahl an speziellen Werkzeugen zur Verfügung. Der Nachteil ist jedoch, dass Multitool-Klingen kleiner und schwächer sind als ein gut konzipiertes Survival-Messer. Eine Axt wiederum hat deutliche Vorteile bei der Holzbearbeitung und beim Bau eines Unterschlupfes. Andererseits eignet es sich weniger für feine Arbeiten. Du siehst bereits, dass Du Deine eigene Entscheidung für das Überlebenstraining treffen und Kompromisse eingehen musst. Wie auch immer: das beste Messer ist letzten Endes dasjenige, welches man dabei hat. So einfach ist das manchmal.

  2. Combustion Device: Mittel zur Erzeugung einer Flamme

    Fast genauso wichtig wie ein Messer (manche behaupten sogar, noch wichtiger) ist die Möglichkeit, eine Flamme zu erzeugen. Der Nutzen sollte jedem klar sein. Ein Feuer gibt Wärme und Geborgenheit. Außerdem kann man damit Wasser abkochen und Nahrung zubereiten. Man kann nasse Kleidung trocknen und wilde Tiere, sowie Insekten auf Distanz halten. Feuer ist so wichtig, dass man sich immer auf eine Kombination mehrerer Methoden verlassen sollte. Am einfachsten ist natürlich ein Gasfeuerzeug, am besten von BIC. Nur bei starken Minusgraden, auf extremen Höhen oder bei Nässe, würde es Dich im Stich lassen. Zumindest bis das Gas aufgebraucht ist.

    Die zweite Methode für das Überlebenstraining ist ein Feuerstahl. Mit einem Feuerstahl kann man bis zu 3000 Grad heiße Funken erzeugen und Zunder ohne Probleme in Brand stecken. Wenn Du jedoch einen Feuerstahl anwenden möchtest, muss Du vorher mit ihm geübt haben. Es erfordert nämlich deutlich mehr Können als das Feuerzeug. Bei allen Methoden ist es sehr wichtig, den richtigen Zunder und das richtige Brennmaterial zu finden und vorzubereiten. Das solltest Du ebenfalls regelmäßig üben, bevor Du in einer Ernstsituation darauf angewiesen bist. Nach ausreichend Übung kann man mit dem Feuerstahl fast unter allen Umständen in jeder Gegend der Welt eine Flamme erzeugen.

    Der meiner Meinung nach beste Feuerstahl, der Light My Fire Army 2.0, garantiert dabei 12.000 Zündungen! Bei durchschnittlich zehn Versuchen am Tag würde ein Stahl somit locker über drei Jahre vorhalten.
    Neben Feuerzeug und Feuerstahl gibt es weitere Möglichkeiten, das Erzeugen einer Flamme im Überlebenstraining zu üben: Streichhölzer, Vergrößerungsgläser, Chemikalien, Feuerpumpen und natürlich Holzbohrer und Holzreiben. Stelle sicher, dass Du mindestens eine, besser zwei oder drei Möglichkeiten beherrschst!

  3. Cordage: Geeignete Seile und Schnüre

    Ich gebe zu, dieser Punkt klingt nicht sehr spektakulär. Das ist der Grund, warum eine Schnur oder ein Seil oft nicht mitgenommen wird. Wenn man es dann braucht, nimmt man die Schnürsenkel, den Gürtel oder die Trageriemen des Rucksacks. Besser ist es, eine geeignete Schnur in ausreichender Länge dabeizuhaben. Zehn Meter Schnur nehmen nicht viel Platz weg und sind auch nicht übermäßig schwer.
    Für den Bau eines Unterschlupfes ist die Schnur am wichtigsten. Die beste Decke bringt Dir nichts, wenn Du sie nicht aufspannen kannst. Nur ein gespanntes Tarp schützt dich vor auskühlendem Wind ohne wegzuwehen. So kannst Du Dich ausruhen und beim Schlafen erholen.

    Gleichzeitig kannst Du nasse Kleidung zum Trocknen aufhängen. Du kannst Deine Nahrung und Ausrüstung festbinden und an einem Baum hochziehen, um sie vor Wildtieren zu schützen. Für Reparaturen an deinem Rucksack oder an Deiner Kleidung brauchst Du ebenfalls Schnur. Es ist möglich, Seile oder Schnüre im Busch herzustellen und man sollte diese Techniken auch kennen und im Überlebenstraining üben. Dazu muss man geeignete Naturfasern finden und selber flechten. Leider benötigt man dazu viel Zeit und Energie. Zeit und Energie die Dir dann für andere Arbeiten fehlen wird. Dass man aber aus einfachen Gräsern eine ganze Seilbrücke über eine Schlucht flechten kann, hat selbst mir den Atem verschlagen!

    Am besten ist es also, wenn Du stets geeignete Schnur dabei hast. Eine gute Schnur muss vielseitig sein, darf nicht reißen und nicht ausfransen. Sie sollte bei Nässe nicht faulen und muss sich fest binden und knoten lassen. Die besten Schnüre, die ich kenne und die sich bei vielen Survival-Experten bewährt haben, sind zum einen Paracord und zum anderen Bankline.
    Paracord ist etwas bekannter und wird von vielen Bushcraftern in Deutschland eingesetzt. Ursprünglich wurde Paracord als Allround-Schnur von Fallschirmjägern im Zweiten Weltkrieg entdeckt und seitdem in allen Teilen der US-Army eingesetzt. Paracord 550 vom Typ III hat eine Bruchlast von 249 KG! Es kann deshalb im Notfall sogar zum Abseilen oder zum Transport von schweren Lasten eingesetzt werden. Paracord besteht aus einer äußeren Ummantelung in dem sich 7-9 Kernfäden befinden. Diese Konstruktion erlaubt eine akzeptable Dehnung bei hoher Tragkraft. Zudem können die inneren Fäden als Angelschnur oder Nähgarn benutzt werden.

    Neben Paracord wird in den USA sehr häufig auch Bankline eingesetzt. Bankline stammt ursprünglich aus der Berufsfischerei. Damit werden Fischnetze der Fangflotten im Atlantik und Pazifik geknüpft. Diese Schnur wird mit Teer behandelt (Tarred Twine), wodurch sie eine enorm gute Knotenfestigkeit und Widerstandskraft gegenüber Feuchtigkeit, Schmutz, UV-Strahlung und anderen Einflüsse hat. Außerdem fädelt sie nicht auf, wenn man sie durchschneidet. Man kann sie jedoch aufspleissen und die dünneren Einzelfäden ebenfalls zum Angeln oder Nähen benutzen. Eine hervorragende Bankline ist beispielsweise die Tarred Twisted Nylon Twine von Wallace Cordage.

  4. Container: Solide und dichte Behälter

    Damit ist ein Gefäß gemeint, in dem man hauptsächlich Wasser transportieren und aufbewahren kann. Es muss absolut dicht und möglichst leicht sein. Es gibt hierbei verschiedene Materialien mit entsprechenden Vor- und Nachteilen. Ein Gefäß aus Aluminium oder rostfreiem Stahl kann beispielsweise einfach dazu benutzt werden, Wasser im Lagerfeuer abzukochen. Das ist von großem Wert. Zur Not kann man Wasser auch mit Kunststoff oder mit Holzgefäßen erhitzen, dies erfordert jedoch viel höhere Aufmerksamkeit und das Wasser wird 30 Minuten nur auf 80 Grad erwärmt und nicht gekocht. Auf jeden Fall sollte das im Überlebenstraining geübt werden.

    Eine Plastikflasche wie mein Favorit, die Nalgene Oasis, ist demgegenüber sehr leicht und kann mit einer Blechtasse und einem kleinen Standofen kombiniert werden (siehe diesen Beitrag). Darüber hinaus gibt es zum Essen auch praktisches Kochgeschirr etwa aus Beständen der Bundeswehr. Wenn man kein geeignetes Wassergefäß hat, muss man Taschen, Kondome oder Tüten als Notlösung nutzen. Gefäße zählen zu den Grundlagen der menschlichen Zivilisation. Ohne die Möglichkeit, Wasser und Nahrung aufzubewahren und zu transportieren hätten sich die Kulturen nicht entwickeln können.

  5. Cover: Abdeckung; etwa Kleidung, Decke oder Plane

    Dieser Punkt ist der letzte auf der Liste. Er ist aber dennoch sehr wichtig. Generell zählt unsere Kleidung bereits dazu. Jedes Kleidungsstück bietet uns Schutz, von der Unterwäsche über den Pullover bis zur Regenjacke. Aber Kleidung ist abhängig von der Jahreszeit. So haben wir im Winter mehr an, als im Sommer. Dafür können wir im Winter auch weniger Kleidung entbehren als im Sommer. Beispielsweise als Regenschutz oder als Sonnenschutz in heißen Gebieten. Deshalb solltest Du immer eine zusätzlich Decke aus Wolle oder eine wasserdichte Plane zum Überspannen dabeihaben.

    Du kannst an den unwirtlichsten Orten ein einigermaßen annehmbares Lager aufbauen, wenn Du Wind und Regen sowie direktes Sonnenlicht abhalten kannst. Hingegen wird das schönste Camp zur Hölle, wenn Du ständig Regen und Wind abbekommst oder Dir einen Hitzschlag holst. Decken und Planen bieten Dir lebensnotwendigen Schutz. Wenn sie fehlen sind meist nur durch Kleidung zu ersetzen. Kleidung allerdings brauchst Du an Deinem Körper. Am besten solltest Du Dich bei Kälte nach dem Zwiebelprinzip anziehen. Dabei trägst Du mehrere Schichten übereinander. Die dünnste Schicht liegt an der Haut und die dickste Schicht ist ganz außen. (Wenn Du eine Regenjacke hast, sollte diese natürlich zusätzlich auf der dicksten Schicht aufliegen und nicht darunter.)

    Bei Bewegung wird Dir auch bei Kälte schnell warm. Dann darfst Du unter keinen Umständen beginnen zu schwitzen. Ziehe deshalb eine Schicht nach der anderen aus, bis Du nicht mehr schwitzt. Wenn Du wieder leicht zu frösteln beginnst, ziehst Du einfach Schicht um Schicht wieder an. Das hört sich etwas umständlich an, kann Dir aber das Leben retten. Wenn Du bei großer Kälte schwitzt und nass wirst, kühlst Du um ein vielfaches schneller ab. Außerdem verlierst Du Flüssigkeit und Salze bzw. Mineralien. Das vertrocknete Salz auf der Haut lässt dich noch stärker frieren. Ein Teufelskreis, den Du unbedingt verhindern musst.

Zusammenfassung

Das sind also die fünf C’s, die ich immer dabei habe. Sie haben sich da draußen schon unzählige Male bewährt. Deshalb habe ich mir qualitativ sehr gute Gegenstände zugelegt, auf die ich mich zu 100% verlassen kann. Darüber hinaus bringe ich mir ständig Kenntnisse bei, um dieses Überlebenstraining mit System anwenden und ergänzen zu können. So versuche ich ein Feuer immer zuerst mit dem Feuerstahl anzubekommen.
Meine Messer halte ich immer scharf mit Hilfe von Schärfsteinen. Ich versuche, sichere Wasserquellen zu finden und die Trinkbarkeit einzuschätzen. Mit den Schnüren übe ich die wichtigsten Knoten und befestige mein Tarp fest zwischen Bäumen. Außerdem flechte ich natürliche Schnüre um die Naturfasern und die Techniken kennenzulernen. Das alles macht unheimlich viel Spaß und gibt Dir Sicherheit und Zuvertrauen.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.