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Feuer Machen Ohne Feuerzeug

 

Am Anfang war das Feuer. Ich glaube, ich liege richtig, wenn ich behaupte, dass die Fähigkeit, ein Feuer zu machen einen Menschen definiert und vom Tiere unterscheidet. Umso erstaunlicher ist es, dass heutzutage sicherlich nur ein Bruchteil der Menschen in der Zivilisation ein Feuer komplett ohne technische Hilfsmittel, also etwa nur mit Holzbohren oder Flintsteinen hinbekommen kann.

Aber nicht nur das; selbst MIT technischen Hilfsmitteln wie Feuerzeugen, Streichhölzern oder einem Zigarettenanzünder gelingt es vielen Menschen nicht mehr ein Feuer zu starten und etwa eine Nacht lang in Gang zu halten. Das gibt mir schon zu denken. Und nicht nur mir; ich glaube, die Faszination in der Bushcraft- und Survival-Community für das Thema Feuer liegt genau hierin begründet: Wir wollen nicht hinnehmen müssen, dass uns diese elementare Fähigkeit abhanden gekommen sein soll. Und das ist auch richtig so! Wir müssen uns diese Kenntnisse wieder aneignen, denn sie sind letzten Endes doch wichtiger als einen Fahrkartenautomaten oder ein Smart Phone bedienen zu können. Ich erkläre Euch Schritt für Schritt, wie Ihr durch das Feuer machen wieder zum Menschen werdet, haha!

Feuer machen ist von elementarer Bedeutung

Neben einem Messer und Wasser ist die Möglichkeit ein Feuer machen zu können elementarer Bedeutung. In einem Notfall bietet es einem Wärme und Schutz. Mit einem Feuer kann man auch in einem einfacheren Unterschlupf oder ganz ohne Schutz die Nacht verbringen, ohne Unterkühlungen befürchten zu müssen. Außerdem wird ein Feuer benötigt, um Wasser abzukochen und Nahrung zuzubereiten. Des Weiteren kann man im Feuer bestimmte Arbeiten verrichten, wie schmelzen, kleben, härten, verkohle, räuchern, desinfizieren usw. Zu guter Letzt kann einen das Feuer vor wilden Tieren schützen und einem Trost spenden und Mut machen.

Dieser psychologische Faktor kann in auswegslosen Situationen sehr wichtig sein.  Dazu muss man allerdings ein Feuer machen und in Gang halten können. Und obwohl die Menschen die Technik des Feuer machen seit Jahrtausenden beherrschen, ist es heute doch nicht mehr selbstverständlich. Dazu werden zwei Sachen benötigt; Zum einen die richtigen Utensilien und zum anderen die richtige Technik. Wir werden die Technik hier zunächst vernachlässigen und uns mit den Utensilien beschäftigen. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, die Ihre Vor- und Nachteile haben. Wir alle kennen das Feuerzeug. Es ist sehr zuverlässig und sollte uns immer begleiten.

Bei einem Benzinfeuerzeug muss man beachten, dass sich das Benzin mit der Zeit verflüchtigt und es deshalb für längere Zeit ungeeignet ist. Dafür funktioniert es allerdings auch bei Wind, Nässe und Kälte. Ein Gasfeuerzeug kann bei sparsamem Gebrauch mehrere Wochen halten. Es ist allerdings empfindlicher bei Nässe und kann bei Kälte auch ganz versagen. Streichhölzer sind immer noch eine hervorragende Möglichkeit zum Feuer machen, solange man sie sparsam einsetzt und natürlich vor Nässe schützt.  Das ist jedoch in der Praxis sehr schwierig, da man nach einem Schauer schnell komplett durchnässt ist und gar nicht schnell genug alles ins trockene schaffen kann.

Wasserdichte Behälter sind eine Möglichkeit und sollten in jedem Survival-Kit enthalten sein. Survival-Kits sind übrigens kleine Tabakdosen, die die allerwichtigsten Überlebensutensilien enthalten und doch so leicht sind, dass man sie immer mit in den Rucksack oder in das Handschuhfach des Autos werfen sollte. Zurück zum Feuer machen: in vielen Gegenden der Welt wird Feuer noch mit einem Holzbohrer durch rotieren oder schaben entfacht. Darauf werde ich jedoch hier nicht eingehen. Auch einige exotische Methoden wie mit Batterien oder Chemikalien werde ich hier nicht behandeln. Diese Möglichkeiten werde ich später in einem umfassenden Beitrag zum Thema Feuer machen erörtern und vorerst auf Literatur und Videos (Feuer machen ohne Hilfsmittel) verweisen.

Der wichtigste Gegenstand zum Feuer machen

Der wichtigste Gegenstand neben dem Messer und die beste Möglichkeit zum Feuer machen ist der Feuerstahl. Er wird auch Zündstahl oder Feuerschläger, Feuerstein oder Firesteel genannt und vereinigt wesentliche Vorteile in sich: Zunächst einmal ist er sehr leicht und klein und handlich. Es gibt keinen Grund, ihn nicht immer und überallhin in der Hosentasche mitzunehmen. Da er nur aus einer Legierung von Eisen, Cer und weiteren Metallen besteht ist er unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Selbst bei strömendem Regen ist es somit möglich, Funken zu erzeugen und mit etwas Glück und trockenem Brennmaterial ein Feuer zu entfachen.

Auch starker Wind, Kälte oder Hitze können dem Feuerstahl nichts anhaben. Er überzieht sich nach einer Weile mit einer Oxidationsschicht, die jedoch mit einigen kräftigen Zügen abgeschabt werden kann. Mit dem Messerrücken oder einem speziell beigefügten Metallplättchen werden Funken erzeugt, indem man mit einem Ruck den Stahl entlangfährt. Die Funken werden auf ein vorbereitetes Zundernest, bestehend etwa aus Baumschwamm, inkohltem Stoff, Birkenrinde oder feinem Kienspan geschlagen und sollen diesen dort entzünden. Hier habe ich Dir den Light My Fire Feuerstahl bereits vorgestellt.

Wenn Du die Kunst des Feuer machen erlernen willst empfehle ich Dir zunächst die Grundlagen in dem Buch SAS Survival Handbook anzueignen und Dir einen guten Feuerstahl zuzulegen. Verfeinern kannst Du deine Methode anschliessend mit folgen hervorragenden Videos auf YouTube (Sacki-Survival 35.1 – Zündstähle (1 von 2), How To Create Really Big Sparks With A Swedish Firesteel). Schließlich ist es jedoch am allerwichtigsten, dass Du selber rausgehst und immer wieder übst. Ich empfehle Dir hierzu einen öffentlichen Grillplatz aufzusuchen und dort an der Feuerstelle zu üben. Beachte aber bitte, dass Du eventuell eine Genehmigung einholen und selbstverständlich alle Vorschriften der Feuerstelle lesen und berücksichtigen solltest. Auch solltest Du genügend Wasser im Gepäck haben, um die Feuerstelle sicher löschen zu können, bevor du gehst. Es darf keine Glut und kein Rauch mehr zurückbleiben. Das ist wichtig um eine Ausbreitung des Feuers zu vermeiden.

Daumendrücken beim Feuer machen

Nun drücke ich Dir die Daumen, dass Dir Dein eigenes Feuer bald gelingt. Dann hast Du Dir diese wichtige Technik wieder zurück erkämpft. Der Lohn wird eine tiefe innere Befriedigung sein und der Blick in die Flammen wird Dein Herz erwärmen.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar.